Funde und Spuren

«Das. Das war es. Jetzt hat es begonnen. Es ist. Es währt fort. Bewegt sich. Weiter. Wird. Wird zu dem und dem und dem. Geht weiter als das. Wird andres. Wird mehr.»  

(Inger Christensen) 

 

Gesammeltes, Wundersames, Inspirierendes.

«Everybody experiences far more than he understands. Yet it is experience, rather than understanding, that influences behaviour.» (Herbert Marshall McLuhan)

«Es gibt eine Sehnsucht nach dem Ding hinter dem Ding.» (Immanuel Kant)

«Wenn es aber Wirklichkeitssinn gibt, und niemand wird bezweifeln, dass er seine Daseinsberechtigung hat, dann muss es auch etwas geben, das man Möglichkeitssinn nennen kann. Wer ihn besitzt, sagt beispielsweise nicht: Hier ist dies oder das geschehen, wird geschehen, muss geschehen; sondern er erfindet: Hier könnte, sollte oder müsste geschehn; und wenn man ihm von irgend etwas erklärt, dass es so sei, wie es sei, dann denkt er: Nun, es könnte wahrscheinlich auch anders sein. So liesse sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebensogut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist.» (Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften)

«Das nicht von aussen Sehen. Es kann kein Schauspiel sein, es ist das, was wirklich erfahren, durchquert wird, das Geheimnis in dem man lebt, in dem man nicht äusserlich sein kann.» (Philippe Jaccottet, Fliegende Saat) 

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«Wir müssen uns vielmehr darüber klar sein, dass es keine Möglichkeit gibt, Sicherheit über Dinge zu gewinnen, welche unseren Verstand übersteigen. Eine andere Welt mit ganz andern Umständen können wir uns gar nicht vorstellen, weil wir in einer bestimmten Welt leben, durch welche unser Geist und unsere psychischen Voraussetzungen mitgeformt und mitgegeben sind. Wir sind durch unsere angeborene Struktur streng begrenzt und darum mit unserem Sein und Denken an diese unsere Welt gebunden.» (Carl Gustav Jung, Erinnerungen, Träume, Gedanken)

«Die Vorstellung, dass den Dingen festgelegte, unveränderliche Werte innewohnen, ist genau das Vorurteil, von dem uns die Kunst befreit.» (John Dewey)

«Ich lebe in Bildern. Ich sehe alles in Bildern, meine ganze Vergangenheit, Erinnerungen sind Bilder. Ich mache die Bilder zu Sprache, indem ich ganz hineinsteige in das Bild. Ich steige solange hinein, bis es Sprache wird.» (Friederike Mayröcker)

«Wir müssen auf eine neue Brüderschaft trinken, auf die Sinnlosigkeit, die Unwegsamkeit, die tastende Spur.» (Annemarie Schwarzenbach)

«Unsere Wünsche sind Vorgefühle der Fähigkeiten, die in uns liegen. Vorboten dessen, was wir zu leisten imstande sein werden. […] Wir fühlen eine Sehnsucht nach dem, was wir schon im Stillen besitzen. So verwandelt ein leidenschaftliches Vorausgreifen das wahrhaft Mögliche in ein erträumtes Wirkliches.» (Johann Wolfgang von Goethe)

«Nur wenn wir nicht verstehen, beginnen wir zu entdecken.» (Gerhard Mack)

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«Ich bin die Wirklichkeit, und alles geschieht mit mir. Solange ich lebe, lebt die Welt. Ich bin nicht nur der Verantwortliche für mein Leben, sondern auch der Urheber meines Lebens. [...] Wer nicht Autor seiner Welt ist, der ist kein Autor.» (Imre Kertész)

«Das Denken nimmt seinen Ausgang von einer Beunruhigung, einem Staunen, einem Zweifel.» (John Dewey) 

«Die ganze weisse Seite ist in der weissen Seite, also ausserhalb von mir, aber das ganze Wort steckt nicht im Wort. Das heisst, es gibt das Zeichen, das ich hinschreibe und darüber hinaus seinen Sinn. Das Wort war zuerst in mir, tritt dann aus mir hervor, und, einmal hingeschrieben, gleicht es einem Liniengeflecht; aber es bleibt etwas verborgenes an ihm, das nur von unserem Geist wahrgenommen wird.» (Philippe Jaccottet, Fliegende Saat)

«Der Spaziergänger besitzt einen leichten Körper und Geist. Deshalb vermag er unterschiedliche Dinge zu bemerken.» (Jiro Taniguchi) 

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«Das Unerforschliche existiert wirklich und offenbart sich als höchste Wahrheit und strahlende Schönheit, von dem wir nur eine dunkle Ahnung haben können. Dieses Wissen und diese Ahnung sind Kern aller wahren Forschungen.» (Albert Einstein)

«Die Realität ist immer mehr, als wahrnehmbar ist und mehr, als verbalisierbar ist – wahrnehmend und beschreibend kann man sich ihr mehr oder weniger annähern.» (Gisela Ulmann)

«Aber was sollen Wörter und Namen? Der Mensch sieht, was er zu sehen vermag. Und in seinem Sehen oder Nicht-Sehen entsteht, was in diesem Augenblick gilt, vorläufig, vor dem nächsten Augenblick.» (Thomas Gaupp, Solarisation)

«Er spricht von der unüberbrückbaren Kluft zwischen dem Gedachten, Gesagten, in Wortbilder Gefassten und dem, was wirklich geschieht; und vom Wunsch, etwas zu sagen, ohne zu wissen, was es ist.» (Urs Strässle über Jon Fosse‘s Ich bin der Wind)

«Der gestillte Blick.» (Klaus Merz)

«Wenn Beuys sagt, dass jeder Mensch ein Künstler sei, dann meint er damit nicht, jeder Mensch sei ein Maler oder ein Bildhauer. Er meint vielmehr, dass jeder Mensch kreative Fähigkeiten besitzt, die erkannt und ausgebildet werden müssen.» (Heiner Stachelhaus)

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«Denn jeder von uns ist eine Biographie, eine Geschichte. Jeder Mensch ist eine einzigartige Erzählung, die fortwährend und unbewusst durch ihn und in ihm entsteht durch seine Wahrnehmungen, seine Gefühle, seine Gedanken, seine Handlungen und nicht zuletzt durch das, was er sagt, durch seine in Worte gefasste Geschichte.» (Oliver Sacks, Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte)

«Wie es wirklich war bleibt für immer verschwunden.» (Philippe Jaccottet, Antworten am Wegesrand) 

«Keine Weise des Wahrnehmens und Beobachtens kann uns sagen, wie die Dinge sind; nur, wie sie sich im Rahmen vorgeformter Erwartungen verhalten.» (Oswald Wiener, Schriften zur Erkenntnistheorie) 

«Als ob du auf einer Schaukel sässest, mit fliegendem Haar, voll von Übermut und Bangen, nicht davonzufliegen, nicht landen zu müssen.» (Margo Fuchs Knill, Die Poesie des Wandels) 

«Ich schweife ab, um zur Sache zu kommen.» (Peter Weber, Der Wettermacher)

«Der ästhetische Imperativ: Willst du erkennen, lerne zu handeln. Der ethische Imperativ: Handle stets so, dass weitere Möglichkeiten entstehen.» (Heinz von Foerster, Das Konstruieren einer Wirklichkeit) 

«Es ist, als beginne man von neuem zu sehen, ein Baum erscheint wieder als das unbegreiflichste Ding.» (Philippe Jaccottet, Fliegende Saat)

«It is something to be able to paint a particular picture, or to carve a statue, and so to make a few objects beautiful; but it is far more glorious to carve and paint the very atmosphere of the day and medium through which we look, which morally we can do. To affect the quality of the day, that is the highest of arts.» (Henry David Thoreau, Walden)

«Unverlierbarer Moment. Stille Freude, stummes Glück, darauf sich im Leben draussen so gut wie gar nichts bauen lässt, innen Bestandteil des Fundaments, das trägt.» (Erika Burkart, Die Vikarin)

«That is the strangeness of language: it crosses the boundaries of the body, is at once inside and outside and it sometimes happens that we don‘t notice the threshold has been crossed.» (Siri Hustvedt, The Sorrows of an American)

«Das grösste Werk, an dem wir andauernd arbeiten, ist die Bewältigung des täglichen Lebens.» (Alfried Längle)

«Das Erstaunlichste ist vielleicht, dass die Wirklichkeit immer nur der unmittelbare Augenblick ist. Vergangenheit und Zukunft, auf beiden Seiten davon, sind blosse Ansammlungen von Bildern.» (Philippe Jaccottet, Fliegende Saat)

«Fantasie ist nicht Ausflucht. Denn sich etwas vorstellen heisst, eine Welt bauen, eine Welt erschaffen.» (Eugène Ionesco)